Plastikgifte in Kinderwagen

Manche Kinderwagen sind kleine Chemiekästen auf Rädern. So analysierte das von ÖKO-TEST beauftragte Labor beispielsweise in einem Wagen den krebsverdächtigen Farbstoffbaustein Anilin sowie einen Weichmacher, der Schilddrüse und Hirnanhangsdrüse schädigen kann

Eine neue Untersuchung von Kinderwagen, die das Verbrauchermagazin ÖKO-TEST in der aktuellen Mai-Ausgabe veröffentlicht hat, zeigt, dass die meisten Modelle unnötige Schadstoffe enthalten. Auch erwiesen sich manche im Gebrauchstest als zu klapprig oder wenig kindgerecht.

Im Prüflabor: Auf dem Rollenprüfstand legten die Kinderwagen eine Strecke von circa 30 Kilometer über rotierende Walzen zurück. Unterschiedlich hohe Stoßleisten simulierten das Fahren auf verschiedenen Untergründen wie Schotter oder Kopfsteinpflaster. Foto: velotech.de

Im Prüflabor: Auf dem Rollenprüfstand legten die Kinderwagen eine Strecke von circa 30 Kilometer über rotierende Walzen zurück. Unterschiedlich hohe Stoßleisten simulierten das Fahren auf verschiedenen Untergründen wie Schotter oder Kopfsteinpflaster. Foto: velotech.de

Manche Kinderwagen sind kleine Chemiekästen auf Rädern. So analysierte das von ÖKO-TEST beauftragte Labor beispielsweise in einem Wagen den krebsverdächtigen Farbstoffbaustein Anilin sowie einen Weichmacher, der Schilddrüse und Hirnanhangsdrüse schädigen kann. Ein anderes Modell enthält polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), von denen einige krebserzeugend sind. Außerdem hat das Labor erhöhte Mengen phosphororganischer Verbindungen gefunden, die als nervengiftig gelten und möglicherweise krebserregend sind.

ÖKO-TEST: Zitat “Ein Modell, das derart mit Schadstoffen belastet ist wie der Maxi Cosi, können wir im Gesamturteil nicht besser als mit “mangelhaft” bewerten.” Zitat Ende

Nur zwei Hersteller haben die Schadstoffe nahezu vollständig aus ihren Wagen verbannt. Diese gehören allerdings zu den teuersten im Test.

Für Eltern lohnt es sich nicht nur wegen der geringen Schadstoffbelastung die hochpreisigen Modelle zu kaufen. Diese zeigen sich auch im Praxistest von einer guten Seite, während die günstigeren Modelle oft etwas klapprig oder sperrig sind. Als wenig stabil erwies sich etwa das Billigmodell im Test. Hier brach nicht nur die Schieberbefestigung, der Wagen kann sich auch unbeabsichtigt zusammenfalten.

ÖKO-TEST rät Eltern, vor dem Kauf eines Kinderwagens zu überlegen, wo dieser am häufigsten genutzt wird: Für die Großstadt eignen sich wendige Modelle mit schwenkbaren Vorderrädern, während auf dem Lande gut gefederte Modelle mit größeren Reifen angesagt sind. Auch sollte man unbedingt ausprobieren, ob der Wagen in den Kofferraum des Autos passt.

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Bioplastik und Rohöl – ein Zusammenhang

Immer, wenn die Ölpreise an Europas wichtigstem Handelsplatz in Rotterdam einen Sprung nach oben machen, treibt es Ralf Kindervater ein schelmisches Lächeln ins Gesicht. Der provomierte Chemiker ist Kunststofflobbyist. Nur versucht er kein gewöhnliches Vinyl oder PVC an den Mann zu bringen, sondern Biokunststoffe. Sie werden nicht auf Erdöl-, sondern auf pflanzlicher Basis hergestellt.

„Jahrzehntelang hat der niedrige Preis des Erdöls eine Entwicklung der Biokunststoffe verhindert“, sagt Kindervater, Geschäftsführer der Biopro Baden-Württemberg, einer Landesgesellschaft, die sich zum Ziel gemacht hat, Biotechnologien auf breiter Front voranzutreiben. „Aber so langsam ändert sich das“, sagt er. Der Grund: Jeder neue Höchststand bei Rohöl macht seine Produkte auf pflanzlicher Basis ein Stück konkurrenzfähiger.

Die Kunststoffproduktion ist in Deutschland ein Milliardenmarkt. Rund 20 Millionen Tonnen werden jedes Jahr hergestellt. Weit über 20 Milliarden Euro setzt die Branche dabei um. Und die Welt will immer mehr von den mal harten, mal weichen Stoffen. Seit den 1950er Jahren steigt die Kunststoffproduktion im weltweiten Mittel um etwa neun Prozent – jedes Jahr.

Die Rizinusbohne macht dem Erdöl Konkurrenz

In jüngster Vergangenheit ist der Boom allerdings ins Stocken geraten. Als die Rohölpreise im Sommer 2008 ihr Allzeithoch erreichten, wurde davon der ganze Sektor der Kunststoff-Chemie hart getroffen. Die auf Rohölbasis gefertigten Produkte verteuerten sich derart, dass die Nachfrage dramatisch einbrach. Dazu kam die Wirtschaftskrise, die den Absatz negativ beeinflusste. Chemie-Giganten wie die Ludwigshafener BASF legten damals ganze Anlagen still und haben sie teilweise bis heute nicht mehr hochgefahren. Als die Nachfrage wieder anzog, wurden Produkte wie Polyamid, wie es etwa für Dübel oder Kunstfasern eingesetzt wird, über Monate knapp. Wieder spielten die Preise verrückt. „Damals setzte sich die Einsicht durch, dass die ausschließliche Fixierung auf eine erdölbasierte Wirtschaft ein Holzweg ist“, sagt Chemiker Kindervater.

Diese Botschaft ist mittlerweile bei vielen Firmen angekommen. Immer mehr Betriebe suchen nach Alternativen zum Erdöl und stoßen dabei beispielsweise auf Ökokunststoffe. Diese werden auf Basis von Rizinusöl – eigentlich ein Abführmittel – hergestellt. Mitunter übernehmen auch Bakterien und Mikroorganismen die Produktion der Ausgangsstoffe. Zwischen 20 und 30 Firmen beschäftigen sich nach Kindervaters Angaben allein in Baden-Württemberg mit dem Thema.

Und darunter sind bei weitem nicht nur Öko-Idealisten. Weltweit bekannte Unternehmen wie Daimler, Bosch oder die Schwarzwälder Fischerwerke sehen in den Ökoprodukten mittlerweile einen Markt. In der neuen Mercedes-A-Klasse von Daimler werden beispielsweise 20 Bauteile aus Naturmaterialien eingesetzt, etwa in den Sitzen oder in Abdeckungen. Bei den starken Benziner-Modellen kommt beispielsweise ein Motordeckel aus Ökokunststoff zum Einsatz, der anders als seine auf Öl basierten Vettern imstande ist, den hohen Temperaturen im Motorraum standzuhalten. „Nicht nur bio, sondern auch besser“, kommentiert Kindervater die Materialeigenschaften des Neu-Kunststoffs.

Zusammen mit Bosch, BASF und den Fischerwerken hat Daimler zudem einen Kühlerventilator aus rein biobasiertem Polyamid entwickelt. Das spart Gewicht und ist zudem stabiler als das fossile Konkurrenzprodukt. Der Befestigungsspezialist Fischerwerke aus dem Waldachtal vermarktet zudem seit einiger Zeit Ökodübel über eine große Baumarktkette. Dort liegen sie hübsch drapiert in grünen Regalen und sollen so den Häuslebauer ansprechen, der auf Nachhaltigkeit setzt.

Ökokunststoff ist teurer

Sogar Weltkonzerne aus Übersee experimentieren nach Kindervaters Angaben gerade mit den Wunderstoffen aus der Rizinusbohne. Coca-Cola plant demnächst eine biobasierte Pet-Flasche, aus der die Welt das hauseigene Braungetränk schlürfen soll. Die Rohstoffe liefern Chemie-Größen wie Evonik, der niederländische Biotechnologie-Konzern DSM oder Dupont.

Durch die Markteinführung von 3-D-Druckern könnten die Gestaltungsmöglichkeiten von Biokunststoff auch für die Endverbraucher ins schier Unendliche erweitert werden. Die Geräte können das Bioplastik aus winzigen Düsen verspritzen und so unterschiedlichste Gegenstände formen.

Die Wunderstoffe rufen allerdings auch Kritiker auf den Plan. Sie befürchten ähnlich wie bei Biokraftstoffen, die ebenfalls aus pflanzlichen Ölen gewonnen werden, eine Konkurrenz zu Lebensmitteln. Zumal viele Mikroorganismen, die die Grundstoffe erzeugen, sich von Zucker und Stärke ernähren, die anderswo auch die Mägen hungernder Kinder füllen könnten.

Kindervater lässt das Argument nicht gelten. Die gefräßigen Mikroorganismen ließen sich auch mit Reststoffen wie Stroh und Holzschnitzeln durchfüttern, sagt er. Wenn sich Biokunststoffe durchsetzen, werde es in Zukunft keine organischen Abfälle mehr geben. „Alle Bioreststoffe werden dann in kleinen Bioreaktoren verwertet.“

Bleibt nur noch das Preisargument bestehen. Denn noch sind die Ökostoffe bis zu dreimal teurer als ihre Erdöl-Pendants. Berufsoptimist Kindervater bringt auch das nicht aus der Ruhe. „Dass Öl und Gas immer teurer werden, ist so sicher wie das Amen in der Kirche.“

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Plastik aus Pflanzen – eine Alternative?

Coca-Cola, der Inbegriff eines gewinnorientierten Konzerns, will bald nur noch Flaschen verkaufen, deren Material zum Teil aus Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben besteht. Bereits zehn Milliarden solcher Mischflaschen wurden in den vergangenen sechs Jahren abgefüllt. Das ist noch ein sehr kleiner Anteil. Er soll in den kommenden Jahren weiter wachsen.

Normalerweise wird Plastik aus Erdöl gewonnen, doch das wird langsam knapp, und die Preise steigen. Herkömmliches Plastik könnte deshalb irgendwann zu teuer werden. Bei Coca-Cola geht man jedenfalls davon aus, dass die Kosten bei Pflanzenmaterialien langfristig stabiler bleiben.

Das überzeugt nicht nur den Getränkekonzern, sondern auch viele andere Firmen, mit Bioplastik zu experimentieren – viele verdienen damit bereits Geld. So verkauft etwa die Bayer AG einen Kunststoff an die Industrie, der zu einem großen Anteil aus nachwachsenden Rohstoffen besteht. Er wird unter anderem für Sohlen von Sportschuhen eingesetzt. Weil inzwischen immer mehr Unternehmen Bioplastik einsetzen oder erforschen, steigen die Produktionskapazitäten: Bis zum Jahr 2016 sollen sie sich verfünffachen.

Zurzeit aber werfen allein die Deutschen jedes Jahr noch etwa 5,5 Millionen Tonnen herkömmliches Plastik auf den Müll. Oft landet es zunächst sogar dort, wo es ganz und gar nicht hingehört: in Wäldern, an Straßenrändern oder im Meer. Das ärgert nicht nur Umweltschützer, sondern bringt auch Unternehmen auf neue Ideen: Sie entwickeln beispielsweise kompostierbaren Kunststoff, der sich langsam auflöst – wo immer er am Ende auch strandet.

Selbst kleine Betriebe sehen ihre Chance. So wie das Start-up von Ute Zimmermann. Ihr österreichisches Unternehmen NaKu, kurz für Naturkunststoffe, verkauft nur Produkte aus Bioplastik, das aus natürlichen und nachwachsenden Stoffen gewonnen wird und verrotten kann. Ute Zimmermann hat zum Beispiel Brotdosen im Programm, aber auch Frischhaltebeutel und Flaschen. Sie sagt, ihr sei besonders wichtig, dass ihre Produkte keine schädlichen Chemikalien enthielten. Reguläre Plastikflaschen werden unter anderem deswegen kritisiert, weil sich hormonhaltige Substanzen lösen könnten, die man womöglich mittrinkt. Gesund wäre das wahrscheinlich nicht.

Die Unternehmerin experimentiert selbst mit Biokunststoff, am Anfang auch schon mal in Nacht-und-Nebel-Aktionen. “Da waren wir froh, wenn uns jemand die Hintertür zu einer Fabrik aufgeschlossen hat und wir an den Anlagen testen konnten”, sagt sie.

Die Waren zu vermarkten ist für das kleine Unternehmen allerdings nicht einfach. Abnehmer für ihre Produkte sind bis jetzt vor allem einzelne Bioläden. Ihre kompostierbaren Flaschen sind noch gar nicht im Einzelhandel erhältlich. Kunden können sie nur im Internet bestellen.

Das italienische Mineralwasserunternehmen Sant’Anna verwendet kompostierbare Flaschen bereits im großen Stil. Nach eigenen Angaben habe man bis jetzt mit 650 Millionen hergestellten Bioflaschen über 21 Millionen Liter Erdöl eingespart. Und im US-amerikanischen Iowa benutzen Farmer Milchkanister, die vollständig auf Stärkebasis hergestellt werden.

In Deutschland lag der Anteil von Verpackungen aus Biomaterialien bei der letzten Erhebung 2009 unter einem Prozent. Oft sind die Produkte zu teuer, oft auch noch nicht ausgereift. Die Drogeriekette Ihr Platz musste zum Beispiel kompostierbare Flaschen wieder vom Markt nehmen – sie hatten zu viele Mängel. Säure in Säften oder auch Kohlensäure setzt solchen Flaschen zu.

Nur weil die Produkte biologisch abbaubar sind, heißt das noch lange nicht, dass man sie einfach auf den Komposthaufen werfen kann. Dort würde sich das Material zwar nach und nach zersetzen, bei Flaschen aber dauert der Abbau bis zu drei Monate. Das ist den meisten Abfallentsorgern zu lang. Deswegen nehmen sie die Biokunststoffe nicht an. Am Ende landet das Bioplastik daher oft – zusammen mit den herkömmlichen Stoffen – in der Verbrennungsanlage. Aus diesem Grund hat das britische Unternehmen Belu Water im vergangenen Jahr die Produktion solcher Flaschen aus Pflanzenmaterialien gestoppt. Es setzt nun vor allem auf Recycling.

Dazu kommt: Nicht einmal alle Umweltexperten sind davon überzeugt, dass die alternativen Stoffe wirklich ökologische Vorteile haben. Im Bundesumweltministerium heißt es: “Die Kunststoffe sind gesamtökologisch bestenfalls ähnlich zu bewerten wie konventionelle Kunststoffe.” Sie brächten einige Nachteile mit sich: Boden und Wasser würden überdüngt, um die Rohstoffe schnell nachwachsen zu lassen. Wenig Vorteilhaftes zeigt auch die jüngste Studie des Bundesumweltamtes zu Biokunststoffen. Demnach hätten sie zwar eine bessere Klimabilanz, allerdings schnitten sie bei anderen Umweltfaktoren schlecht ab. Bei ihrer Herstellung etwa werde mehr Feinstaub ausgestoßen.

Die Bioplastikhersteller sehen sich noch einer weiteren Kritik ausgesetzt: Angesichts der Hungersnöte in der Welt scheint es vielen unverständlich, dass aus Rüben und Mais ausgerechnet Plastik werden soll. Kristy-Barbara Lange vom europäischen Bioplastikverband hält dagegen: “Wir sind längst nicht im kritischen Bereich. Unsere Branche ist noch sehr klein.” Man wolle aber auch Alternativen finden.

So erforschen etliche Unternehmen inzwischen, wie sie Bioplastik aus Lebensmittelresten gewinnen können, neuerdings sogar aus Fettresten, die bei Schlachtbetrieben liegen bleiben. “Die Entwicklungen müssen erst getestet werden, und das braucht Zeit”, sagt Lange.

Die Verbandssprecherin möchte auch nicht gleich aus jedem Plastikprodukt ein ökologisch abbaubares machen. Manche Kunststoffwaren wie Wäschewannen, Lampen oder Armaturenbretter im Auto sollen lange halten und stabil bleiben. Und das kann herkömmliches Plastik leisten. Dennoch betont sie den entscheidenden Vorteil von Bioplastik: Es schont das Klima. Nach Berechnungen des Verbandes werden bei der Produktion des biologischen Kunststoffes 30 bis 70 Prozent weniger CO₂ ausgestoßen – berücksichtigt man das Material, die Anwendung und die Lebensdauer des Produkts.

Um langfristig weiterzukommen, findet Unternehmerin Ute Zimmermann, müsse man klein beginnen: “Wenn unsere Flasche im Meer landet, ist sie wenigstens nach 15 Jahren verrottet.” Und nicht nach 300 Jahren, so wie konventionelles Plastik.

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Gift in kleinen Dosen (TAZ)

(Quelle: TAZ) Bisphenol-A (BPA) ist eine Chemikalie, die in vielem steckt. So auch in Babyflaschen und Nuckeln. Wie gefährlich ist sie? Die EU prüft, die deutschen Behörden warten so lange ab.von H. HOLDINGHAUSEN & R. WOLFF

 

Immer mehr EU-Staaten verbieten Produkte, die mit Nahrungsmitteln für Kleinkinder in Kontakt kommen, wenn sie die Chemikalie Bisphenol A (BPA) enthalten.  Bild:  dpa

Es wird eng für die europäischen Kunststoffhersteller: Immer mehr EU-Staaten verbieten Babyflaschen oder andere Produkte, die mit Nahrungsmitteln für Kleinkinder in Kontakt kommen, wenn sie die Chemikalie Bisphenol A (BPA) enthalten. Jüngstes Beispiel: Dänemark. Die liberal-konservative Regierung verbietet entsprechende Plastikprodukte mit dem Inhaltsstoff. Ab 1. Juli werden sie aus dem Handel verschwinden. BPA wirkt ähnlich wie das weibliche Hormon Östrogen und steht unter Verdacht, schwere Krankheiten auszulösen oder zu verstärken. Jahrelang hatten dänische Wissenschaftler die Regierung zu einem Verbot der massenhaft hergestellten Chemikalie gedrängt, die sich in zahlreichen Kunststoffprodukten wiederfindet.

Dänemarks Initiative schließt sich nun auch das Nachbarland Schweden an. Umweltminister Andreas Carlgren teilte mit, man werde ein entsprechendes nationales Verbot erlassen, falls es zu keinem EU-weiten Verbot komme. Dem ging ein Appell zahlreicher WissenschaftlerInnen und der staatlichen Chemiebehörde “Kemikalieinspektionen” voraus. Behördenchefin Ethel Forsberg kritisierte, die EU berücksichtige bei ihrer Risikobewertung äußerst wichtige und von renommierten Wissenschaftlern gemachte Studien nicht ausreichend. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA hatte zuletzt 2008 ein Verbot von BPA abgelehnt und den Stoff als unbedenklich eingestuft. Die in der EU geltenden Grenzwerte seien ausreichend .

 

Die französische Regierung folgte lieber der kritischen Bewertung ihrer nationalen Agentur für Lebensmittelsicherheit und untersagte im Frühjahr Herstellung, Aus- und Einfuhr sowie den Verkauf von BPA-haltigen Babyflaschen. Schon vor zwei Jahren hatte Kanada mit einem solchen Verbot von Babytrinkflaschen und anderen Produkten zur Aufbewahrung von Kleinkindnahrung den Anfang gemacht.

Unklares Zusammenspiel

Auch in Deutschland wurde wegen BPA seither Alarm geschlagen. In seinem Kinder-Umwelt-Survey fand das Umweltbundesamt vor einigen Jahren bei 99 Prozent der 1.790 untersuchten Kinder Bisphenol A im Urin. Andere Studien hätten BPA im Blut, Fruchtwasser und in Gebärmuttergewebe entdeckt, sagt Sarah Häuser, Chemikalienexpertin des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland, BUND. Weil sich BPA im Körper nicht anreichert, sondern binnen weniger Stunden abgebaut wird, wiesen die gefundenen Belastungen darauf hin, dass Menschen dem Stoff ständig ausgesetzt seien, sagt Silvia Pleschka von der Frauenrechtsorganisation WECF.

Ob die Massenchemikalie BPA gefährlich ist, darüber streiten die Experten. Und für jede Position gibt es die passende Studie. Klar ist: BPA wirkt im Körper ähnlich dem weiblichen Hormon Östrogen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sagt, die Substanz wandle sich im menschlichen Körper schnell in ein Stoffwechselprodukt um, das keine östrogene Wirkung mehr habe und über die Nieren ausgeschieden werde. Zudem existierten für die Verwendung im Lebensmittelbereich Grenzwerte für BPA. Menschen seien also nicht gefährdet.

Stopp, ruft da die Gegenseite. Es gebe ausreichend Studien über die gesundheitsschädliche Wirkung von Bisphenol A. Die Chemikalie könne die Fruchtbarkeit verringern, Brust- und Prostatakrebs auslösen und die Gehirnentwicklung stören. Außerdem steht sie im Verdacht, Diabetes und Fettleibigkeit auszulösen.

Die Bedeutung sehr geringer Mengen der Substanz sei zumindest “unklar”, sagt Natalie von Götz vom Institut für Chemie und Bioingenieurwissenschaft der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Zum Zusammenspiel der Hormone im Körper und zu hormonwirksamen Substanzen gebe es noch viele offene Fragen und einen hohen Forschungsbedarf.

Auch das Umweltbundesamt (UBA) in Dessau sieht zur Wirkung des Stoffes noch “Datenlücken”. Doch die “vorliegenden Kenntnisse sollten ausreichen, die Verwendung bestimmter Bisphenol-A-haltiger Produkte aus Vorsorgegründen zu beschränken”, warnt das UBA in einem Hintergrundpapier und fordert, Bisphenol A durch gesundheits- und umweltfreundliche Alternativen zu ersetzen. Den Zeitpunkt für seine Warnung hatte das UBA genau berechnet: Anfang Juli wird, angeregt durch die Verbotsserie europäischer Staaten, eine Stellungnahme der EU-Lebensmittelbehörde Efsa zu der Chemikalie erwartet.

Deutsche warten ab

Von der deutschen Bundesregierung wird ein Verbot derzeit noch nicht erwogen. “Wir warten die Stellungnahme der Efsa ab”, sagt Robert Schaller, Sprecher des Verbraucherministeriums in Berlin. Bislang orientiere man sich an der Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung, dass die Aufnahme von BPA über die Nahrung “zu keiner gesundheitlichen Schädigung führt”, so Schaller. Die europäische Lobbyorganisation der Kunststoffhersteller, Plastics Europe, verweist auf die “überaus umfangreiche Datenlage” zu Bisphenol A, die eine gute Risikoabschätzung des Stoffes erlaube. Experten der zuständigen Behörden seien auf Basis dieser Daten zu dem Schluss gekommen, dass weitere Schutzmaßnahmen nicht nötig seien.

Verschiedene Umwelt- und Verbraucherorganisationen forderten die Efsa auf, unabhängige Studien zu berücksichtigen. “Eine vorurteilsfreie und umfassende Kenntnisnahme der wissenschaftlichen Literatur” müsse zu der Erkenntnis führen, dass der Ausstoß von Bisphenol A gesenkt werden muss, vor allem für Hochrisiko-Gruppen wie Kleinkinder und Schwangere, heißt es in einem offenen Brief zahlreicher Organisationen und Wissenschaftler aus Europa und den Vereinigten Staaten an den Vorsitzenden des zuständigen Efsa-Gremiums.

Silvia Pleschka vom WECF betont, die Chemikalie verstecke sich in zahlreichen Alltagsprodukten. “Grenzwerte sind kein Ersatz für ein generelles Verbot”, so Pleschka. “Es gibt keinen Grenzwert, bis zu dem Bisphenol A sicher ist.”

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UNESCO gründet Staat „Müllfleck“ im Ozean

Schwimmender Mann im Müll in der Bucht vor Manila.

Der Staat „Garbage Patch“, übersetzt „Müllfleck“ wurde im April 2013 durch die Vereinten Nationen in Paris gegründet. Vor Ort war nicht möglich, denn der „Müllfleck“ besteht aus einer Ansammlung von Plastik im Wasser – aus dem Müll der letzten Jahrzehnte.Mit dieser Aktion will die UNESCO auf das Müllproblem in den Weltmeeren aufmerksam machen.

 Mehr Plastik als Plankton

In den Weltmeeren schwimmt mittlerweile sechsmal mehr Plastikmüll als Plankton. Schätzungen zufolge landen jährlich rund sieben Millionen Tonnen Abfälleim Meer. Laut einer Studie des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) treiben in jedem Quadratkilometer der Weltmeere durchschnittlich 18.000 Plastikteile. Kunststoffe verbleiben jahrzehntelang im Ökosystem – die Zersetzung heute üblicher Kunststoffe dauert bis zu 450 Jahre.

Fünf “Inseln”

Seit 2009 ist bekannt, dass in insgesamt fünf Strudeln im Pazifik, im Atlantik und im Indischen Ozean ein großer Teil jenes Kunststoffabfalls treibt, den die Menschen seit den Fünfziger Jahren im Meer “entsorgt” haben. Durch die Meeresströmung soll vor allem im Nordpazifik eine durchgängige Oberfläche aus Plastikmüll entstanden sein; daher stammt auch die Bezeichnung “Insel”.

Hawaii besonders betroffen

Die Hawaii-Inseln, die sich mitten im Nordpazifik-Strudel befinden, sind besonders betroffen. „Greenpeace hat mit einer Filteranlage 2006 eine Expedition vor Hawaii durchgeführt. Das Ergebnis war, dass die Mägen von Fischen und kleinen Krebsen voller Müll waren“, erklärt Helms. Messungen von Greenpeace ergaben damals eine Konzentration von bis zu einer Million Kleinstpartikel pro Quadratkilometern schwimmendem Plastikteilen.

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Übersicht des Bundesumweltamtes zur Abbauzeit von Müll im Meer

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Pressemeldung der EU 14.04.13

Genug ist genug: EU-Umweltkommissar Janez Potočnik hat heute (Freitag) bei einer Konferenz zur Verschmutzung der Weltmeere in Berlin auf ein ambitioniertes Vorgehen gegen Plastikmüll gedrungen.

Auch wenn es inzwischen ein gestiegenes öffentliches Bewusstsein für das Müllproblem gibt, werden in der EU pro Person und Jahr durchschnittlich noch immer 16 Tonnen Ressourcen verbraucht. Davon werden sechs Tonnen zu Müll. Von denen landet wiederum ein großer Anteil in Ozeanen und wird zu einer ernsten Gefahr für Meerestiere. Ein nachhaltiger Umgang mit natürlichen Ressourcen sei nicht nur eine moralische, sondern auch eine wirtschaftliche Verpflichtung, so Potočnik. Die Privatwirtschaft müsse bei der Vermeidung von Plastikmüll eine Schlüsselrolle einnehmen: 60 Prozent aller Kunststoffabfälle ist Verpackungsmüll. Die Recyclingraten und die Recyclingfähigkeit von Plastikverpackungen müssten verbessert werden.

Die Europäische Kommission hat im März eine breite Debatte darüber angestoßen, wie Kunststoffe von Herstellung bis Entsorgung nachhaltiger werden können. Noch bis Anfang Juni können sich alle interessierten Bürger, Institutionen, Unternehmen oder Verbände an der öffentlichen Konsultation, einem sogenannten Grünbuch, beteiligen. Das Ergebnis wird 2014 in die Überarbeitung der EU-Abfallpolitik einfließen.

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Biogemüse oft in Plastik: es nervt!

Hamburger Morgenpost /

Von Marlene Borchardt

Nach dem Großeinkauf türmen sich die Plastikberge in der Küche. Die Bio-Bananen müssen aus ihrer Plastikhülle befreit, die nochmals eingeschweißten Bio-Äpfel aus ihrem Kunststoffgefängnis geholt und die Bio-Gurke vorsichtig aus ihrer Folie geschält werden.

Dabei hat der Kunde, der Bio kauft, oft auch ein besonders großes ökologisches Interesse – und ist genervt vom Plastikwahn. Die MOPO klärt auf, warum für Bio-Produkte so viel Plastikmüll produziert wird.

Nein, der Verpackungs-Irrsinn hat nichts mit Hygiene zu tun. Es geht nur darum, die Bio-Ware zu kennzeichnen. „Konventionell und biologisch erzeugtes Obst und Gemüse sind optisch nicht voneinander zu unterscheiden“, sagt Thomas Bonrath, Pressesprecher der Rewe-Group.

Und da Bio- und Normal-Produkte gemeinsam im gleichen Lkw transportiert werden, helfe die Plastikverpackung zu verhindern, dass die Produkte verwechselt werden können.

 
 

Ein großer Haufen Plastikmüll bleibt übrig ...

Ein großer Haufen Plastikmüll bleibt übrig …
Foto: Patrick Sun
 

Ein großer Haufen Plastikmüll bleibt übrig ...

Ein großer Haufen Plastikmüll bleibt übrig …
Foto: Patrick Sun

Außerdem sollen die Plastikverpackungen dem Kassenpersonal im Supermarkt helfen – durch die Kunststoff-Hülle können sie sofort erkennen, dass es sich um ein Bio-Produkt handelt. Und Kunden haben nicht die Möglichkeit, durch das Austauschen von Etiketten günstiger an Bio-Obst und -Gemüse zu kommen.

 
 

... wenn man dieses Bio-Obst und -Gemüse aus dem Supermarkt ausgepackt hat.

… wenn man dieses Bio-Obst und -Gemüse aus dem Supermarkt ausgepackt hat.
Foto: Patrick Sun
 

... wenn man dieses Bio-Obst und -Gemüse aus dem Supermarkt ausgepackt hat.

… wenn man dieses Bio-Obst und -Gemüse aus dem Supermarkt ausgepackt hat.
Foto: Patrick Sun

„Aufkleber oder andere Kennzeichnungen haben sich leider nicht bewährt, da sie schnell manipulierbar sind“, sagt Rewe-Sprecher Bonrath.
Jürgen Knirsch, Experte für nachhaltigen Konsum bei Greenpeace, machen solche Aussagen fassungslos. „Ich frage mich, was für ein Bild die Supermärkte von ihren Kunden haben. Besonders viel Vertrauen scheinen sie ihnen ja nicht zu schenken.“

Der Bund für ökologische Lebensmittelwirtschaft (BOLW) meint, dass Biogemüse im Vergleich mit konventionellen Produkten trotz der Plastikverpackung ökologisch besser dasteht.

Für Greenpeace-Experte Knirsch reicht das nicht. Er wünsche sich mehr Fantasie der Supermarkt-Bosse. „Man könnte doch zum Beispiel einen Biostand in den Supermarkt integrieren, bei Wurst und Käse ist das doch auch möglich, dann müssten die Supermärkte auch keine Angst mehr vor der Täuschung ihrer Kunden haben“, so Knirsch.
Weltweit werden jährlich 240 Millionen Tonnen Plastik produziert. Verpackungen machen davon etwa ein Drittel aus. Auch Plastiktüten sind ein Problem: Alleine in Deutschland werden jährlich 5,3 Milliarden verbraucht. Außerdem gibt es weltweit kein Gewässer mehr, das noch frei ist von Plastikteilen. Herkömmliches Plastik ist biologisch nicht abbaubar. So finden wir sogar kleinteiliges Plastik in unserer Nahrung.

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Ruanda verbietet Plastikmüll

Wer hätte je gedacht, dass Ruanda einmal Vorbild für den Rest der Welt sein könnte? Was den Umgang mit Plastikmüll angeht, so kann man dem afrikanischen Land nur gratulieren. Denn dort sind Plastiktüten schlicht verboten. Der Grund dafür liegt zwar im Fehlen jeglicher Recycling-Infrastruktur, wie sie besonders bei uns so lobenswert weit fortgeschritten ist wie sonst kaum wo auf der Welt. Trotzdem: Im Kampf gegen die Verschmutzung der Weltmeere mit den ach so bequemen und ausser in Supermärkten fast überall kostenlos ausgegebenen Plastiktüten wird am Ende des Tages möglicherweise nur ein radikaler Schnitt wie in Ruanda helfen. Die Konsumwelt wird deshalb nicht untergehen, denn als vollwertiger Ersatz kann sehr wohl Pappe und Papier dienen. Ein Blick in die USA zum Beispiel zeigt, dass dort die stabile braune Papiertüte in Supermärkten – aber nicht nur dort – täglich millionenfach erfolgreich im Einsatz ist.

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Belgier finden Plastikmüll in 5.000 m Meerestiefe Autor: U. Neumann

Belgier finden Plastikmüll in 5.000 m Meerestiefe Autor: U. Neumann

Belgische Forscher haben Plastikteile in einer Meerestiefe von 5.000 Metern entdeckt. Noch nie zuvor wurde in solch einer Tiefe Plastikmüll gefunden. Die Verschmutzung hat fatale Folgen. Jährlich sterben unzählige Fische und andere Meeresbewohner und letztlich gelangen die Mikroplastikteile über Fische und Muscheln bei uns auf die Teller.

Die Menschen werfen massenweise Plastik ins Meer und in die Flüsse und die Schifffahrt hat schon seit längerem deshalb Alarm geschlagen.

Die Plastikteile werden im Meer zu kleinen Teilchen oder Mikroplastik von 5 Millimetern und noch kleiner. Ein Forscherteam von der Universität Gent hat jetzt in einer Tiefe von 5.000 Meetern Mikroplastik im Meer entdeckt. Noch nie zuvor ist Plastikmüll in solch einer Tiefe gefunden worden, heißt es im VRT-Programm Koppen.

Die Teilchen werden von Fischen und anderen Meerestieren verschlungen. Jährlich sollen auf diese Weite eineinhalb Millionen Meerestiere sterben. Letztlich geraten diese Mikroplastikteile über Fische und Muscheln auch auf unsere Teller. Wer ein Kilo Muscheln isst, soll 300 bis 600 dieser Mikroplastikteile zu sich nehmen.

Die Forscher rufen die Menschen deshalb dringend dazu auf, kein Plastik mehr in die Meere und Flüsse zu werfen.

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